Jubiläum - 25 Jahre

Als die Kreisbahn 1937 ihr 25-jähriges Bestehen feierte, wehten von den Bahnhofsgebäuden in Hersfeld, Sorga, Malkomes, Schenksolz, Schenklengsfeld, Wehrshausen, Ransbach und Heimboldshausen die Hakenkreuzfahnen des Dritten Reiches. Die schwarz-rot-goldene Flagge der Weimarer Republik war 1933 verschwunden, die Parteien waren aufgelöst und die Länderparlamente angeschafft worden. Es gab nur noch eine Partei und einen Führer als Staatsoberhaupt. Er war in Personalunion Reichskanzler und Reichspräsident. Deutschland hatte wieder einmal seine Staatsform geändert.



Die Franzosen und Engländer hatten 1930 das von ihnen besetzte Rheinland endgültig ganz verlassen. Auch das Saargebiet war 1935 geräumt und dem deutschen Reich wieder eingegliedert worden. Nun sollten auch die abgetrennten deutschen Ostgebiete "Heim ins Reich" geholt werden.

Das 100.000 Mannheer der Reichswehr war nach Wiederherstellung der deutschen Wehrhoheit 1936 von der aus Wehrpflichtigen gebildeten Wehrmacht abgelöst worden. Auch Hersfeld war Garnisonsstadt geworden, wo 1937 in der neuen Kaserne "An der Warth" die ersten Eingezogenen vereidigt wurden. An Hitlers Geburtstag paradierten sie auf dem Marktplatz. Um die Kaserne entstand im Stadtteil "Hohe Luft" ein neues Stadtviertel.

Auch weite Kreise der deutschen Zivilbevölkerung waren uniformiert, soweit sie in den Parteigliederungen der politischen Leiter, der SA, SS, HJ, BDM, NSKK, Frauenschaft und Arbeitsdienst organisiert waren. Per Rundfunk vereidigte Hitlers Stellvertreter Rudolf Hess 1937 734.000 ernannte politische Leiter und auf dem Reichsparteitag der NSDAP in diesem Jahr waren rund 38.000 Angehörige des männlichen und erstmals des weiblichen Arbeitsdienstes angetreten, 100.000 politische Leiter, 50.000 Hitlerjungen und BDM-Mädel, 78.000 SA-Männer, 19.000 SS-Männer und 12.000 NSKK-Männer. Die Partei beherrschte den Staat und seine Bürger. Alle Gewalt ging von der Partei und ihren Führer aus. Es gab keinen politischen und weltanschaulichen Freiraum. Viele politische Gegner wurden in Straflagern interniert. In der Einheitsgewerkschaft "Deutsche Arbeitsfront" waren alle Werktätigen erfasst. Die Arbeitslosenzahl war bis Ende 1937 auf 647.000 zurückgegangen.




Über das Silberjubiläum der Kreisbahn berichtete die Hersfelder Zeitung am 27.09.1937: "Wie vor 25 Jahren, als sie eröffnet wurde, prangten auch gestern die Hersfelder Kreisbahn, ihre Bahnhöfe und Züge im Festschmuck. Die Lok 1 Hersfeld, die 1912 den Eröffnungszug gefahren hatte, führte auch gestern den Silberzug über die Strecke. Sie trug an der Stirn- und der Rückseite ein Girlanden-Transparent mit der Zahl "25". Auch die Wagen waren blumenbekränzt und auf den Bahnhöfen waren die Nationalfahnen gehisst.
Bereits am Vorabend des 25-jährigen Gedenktages versammelte sich die Betriebsgemeinschaft zu einem Kameradschaftsabend in dem festlich geschmückten kleinen Saale des Zunfthauses. Dort hatte sich auch der Kreisausschuß und der Kreisbauernführer mit seinem Stabsleiter eingefunden. Landrat Bienert begrüßte sie und sprach über die Bedeutung des Tages. Er stellte die Aufgaben der Kreisbahn im Wirtschaftsleben der engeren Heimat heraus und erinnerte an die Wechselfälle, denen sie ausgesetzt war. Wenn die Kreisbahn trotzdem immer ihre Aufgabe erfüllt hat, dann ist das ein Verdienst der zumeist von Anfang ihrer Entwicklung bei ihr beschäftigten Arbeitskameraden.
Das muss an diesem Tage gesagt werden, das ist die Heimat der Kreisbahn und den an ihr Schaffenden schuldig. Bis zu ihrer Inbetriebnahme gingen Jahr für Jahr viele Volksgenossen nach Westfalen, um dort Arbeit und Brot zu finden. Mit der Kreisbahn änderte sich dieses Bild. Die wirtschaftlichen Möglichkeiten des durch den Bahnbau erschlossenen Gebietes konnten besser ausgenutzt werden, zudem entwickelte sich die Kali-Industrie zu einem bedeutsamen Wirtschaftsfaktor. Nach 1933 kam es zu einem besonderen Aufschwung. Trotz der Motorisierung hat die Kreisbahn ihre Bedeutung nicht verloren.



 

Mit herzlichen Dankesworten überreichte Landrat Bienert den 12 Jubilaren zu ihrem 25-jährigen Dienstjubiläum eine Ehrenurkunde des Kreises und eine von diesem gestiftete goldene Uhr mit Widmung sowie 50 RM Treuegeld. Es sind die Arbeitskameraden Bahnmeister Bechtold, Lokführer Dehmert, Bahnhofsmeister Diehl, Reservelokführer Kurz, Lokführer Köhler, Bahnhofsvorsteher Mack, Oberschaffner Mansius, Bahnhofsaufseher G. Müller, Oberzugführer Ruben, Zugführer Ullrich, Werkmeister Wambach und Betriebsleiter Winter.

Für die Betriebsgemeinschaft sprach damals Betriebsmann Schütrumpf, Schenklengsfeld, und überreichte den Jubilaren als Ehrengabe je einen Sessel. Namens der Geehrten dankte Betriebsleiter Winter für die Ehrungen und bekräftigte: "Wie dieser Abend ein Spiegelbild der Betriebsgemeinschaft ist, so wird die Kreisbahn auch im zweiten Vierteljahrhundert treu und gewissenhaft ihre Aufgabe im Dienste der Heimat erfüllen".
Der offizielle Teil des Abends, der musikalisch umrahmt war, wurde nach einem Gruß an den Führer mit dem Gesang der Nationalhymne beschlossen. Nach einem gemeinsamen Abendessen ging man zum gemütlichen Teil über mit Bier, Gesang und Austausch alter Erinnerungen an die Pionierzeit der Kreisbahn.

 

 


Von den vielen eingegangenen schriftlichen Glückwünschen zum silbernen Jubiläum wurden besonders die Glückwunschtelegramme vom ersten Betriebsdirektor Karl Hille und vom ehemaligen Landrat von Grunelius mit Beifall von den Kreisbahnern aufgenommen. Hille telegraphierte: " ... der Rückblick zeigt, dass der damalige Beschluss zur Errichtung der Bahn eine Notwendigkeit war" und von Grunelius schloß sein Telegramm mit den Worten " ... in dankbarer Erinnerung an gemeinschaftlich erfolgreiche Arbeit".



Quelle: Festschrift zu 75jährigen Jubiläum der Hersfelder Kreisbahn, Hersfelder-Eisenbahn-Gesellschaft,
Rektor i.R. Otto Deisenroth, Verwaltungsoberrat Hans Stuckhardt.